Zeichnen am Teleskop 12


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Hallo liebe Kollegen.

Das heutige Zeitalter bietet unerschöpfliche Möglichkeiten die amateurastronomischen Beobachtungen fotografisch fest zu halten. Warum dann zeichnen?

In meinem Fall war es so, dass ich damals 2007 eigentlich die Astrofotografie in Angriff nehmen wollte, jedoch diese aus verschiedenen Gründen nicht verwirklichen konnte. Da kam ich auf die Idee am Teleskop zu zeichnen. Diese Tätigkeit machte mir so viel Freude, dass ich meine Erfahrungen gerne weiter geben möchte. Zum heutigen Zeitpunkt ist meine aktive Zeichnerei am Teleskop weit in Hintergrund getreten, dies aus verschiedenen Gründen. Einerseits habe ich mein Objekt der Begierde gefunden und bin nun auch in der Lage dieses fotografisch festzuhalten und anderseits, machen meine Augen nicht mehr so ganz mit.

Vorbereitungen zum Beobachten und zeichnen

Zunächst richtet man sich so bequem wie nur möglich ein: Das Fernrohr auf geeignete Position/Höhe einstellen. Ein Astrostuhl ist eine sehr nützliche Sache, alternativ kann auch eine kleine Haushaltsleiter als Sitzunterlage mit verschiedenen Höhen Verwendung finden. Auf jeden Fall sollte man sitzend zeichnen! Das Licht sollte, für Rechtshändler, von links das Blatt beleuchten und umgekehrt. Hierzu benützt man am besten dimmbare Taschenlampen, oder man bringt entsprechende Folien zur Licht Reduzierung an der Taschenlampe an. Für Mond und Planeten eignen sich am besten graue Folien. Die Taschenlampe wird dann am Stativ mittels Klebeband festgemacht.

Anhand der folgenden 4. Zeichnungen von Sinus Iridum, soll an dieser Stelle demonstriert werden, wie eine Zeichnung in meinen eigenen Stil entsteht. Dieses Beispiel erstellte ich bewusst an meinem damaligen 70/560mm f8 Refraktor bei 112x Vergrösserung und Bino. Das beobachten speziell des Mondes inkl. zeichnen hat am Bino den Vorteil, dass beide Augen die selbe Lichtadaption haben. Wir kennen es doch nur zu gut, was geschieht wenn man einäugig den Trabanten ins Visiert nimmt….. Beim Beobachten ist das kein Kriterium aber kaum löst man sich vom Okular stellt man fest, das das eine Auge „erblindet“ ist, weil sich die Pupille des Auges durch die Mondhelligkeit dermassen zusammenzog! Also ist auch gleich klar warum das Bino so von Vorteil beim Zeichnen ist. Als Montierung verwendete ich eine AYO Altazimutalmontierung. Somit wurde berücksichtigt, dass auch Besitzern mit einem einfachen Equipment dem Zeichnen nichts im Wege steht! da nicht zwingend nachgeführt werden muss. Somit leistet auch ein Fotostativ gute Dienste.

1. Zunächst wird das Objekt skizziert

2. Ausmalen – schraffieren der Umgebung

3. Krater zum Leben erwecken, feine Details einarbeiten, z.B. Gebirgszüge

4. Die endgültige Zeichnung wurde dann am Schreibtisch erstellt

Material, Vorgehen und Bearbeitungstipps/Technik

Ich bevorzuge als Träger weisses Druckerpapier in der Grösse A4. Zeichnen Sie nicht zu klein, damit für die Arbeit an den Details genug Platz zur Verfügung steht. Der Vorteil dieses Papiers liegt nicht zuletzt in der Transparenz. In jedem Stadium der Zeichnung ist es möglich diese, mittels Leuchtpult, oder am Fenster, auf ein neues Blatt zu reproduzieren, sollte etwas unrettbar verzeichnet/gummiert oder sonst was geschehen sein! Kaffeeflecken sind z.B so etwas…… ich trinke eine Menge davon 🙂

Bleistift: möglichst weich. Diese haben den Vorteil, dass man viele Grautöne erzeugen kann. Der Strich lässt sich gut beeinflussen, und die Weichheit lässt ein „gewünschtes“ Verschmieren problemlos zu!

Radiergummi: ebenfalls einen weichen Radiergummi benutzen. Dieser lässt sich mit einem Sackmesser in verschiedene Formen schneiden, beim Radieren greift dieser nie das Papier an!

Bleistiftspitzer nicht vergessen!

Eine geeignete Zeichnungsunterlage ist selbstverständlich.

Technik beim Zeichnen: Strich, verwischen, radieren!

Der Bleistift besteht nicht nur aus einem Spitz! Das bedeutet, dass dieser sehr vielfältig eingesetzt werden kann. Hinzu kommt noch, dass gewünschte Stellen mittels Verreiben des Strichs mit dem Finger bearbeitet werden können. Der Radiergummi ist auch anderweitig einsetzbar, mit ihm lassen sich nicht nur Fehler korrigieren.

1. Skizzieren mit dem Bleistiftspitz.
2. Ausfüllen mit geneigtem Bleistift, so verwendet man die gesamte Breite des Bleis.
3. Mit Fingerspitze verreiben.
4. Mit Gummi feine Radierrungen erzeugen.
5. Schraffieren, mit geneigtem Bleistift.
6. Den Kratern Leben einhauchen, Feinheiten in Tonabstufungen in der Zeichnung erzeugen.

Hilfsmittel und Tricks

Krater, Rillen, Gebirge u.s.w. bestehen aus sehr unterschiedlichen Formen. Denjenigen, denen es schwer fällt eine Form direkt abzuzeichnen, empfehle ich folgendes:

Es ist durchaus legitim sich auf eine Zeichnung am Teleskop vorzubereiten, indem man sich zuvor anhand Fotos, Karten oder dergleichen Hilfsmittel die Form des zu zeichnenden Objekts grob vorskizziert. Dasselbe gilt auch für die Formationen der Objekte und derer Lage.

Am Teleskop beobachten und zeichnen

Zeichnen Sie sich zunächst Hilfslinien ein, wie z.B. bei einem 6-eckigen, ovalen oder exotisch aussehenden Objekt/Krater, denn diese sind ja nicht alle „nur“ kreisförmig. Ausserdem, wird dadurch auch die Lage und Formation, in diesem Fall am Gassendi, schon einiger Massen richtig festgelegt!

Tonabstufungen

Die Tonabstufungen des jeweiligen Objekts, können entweder direkt in der Skizze entsprechend angedeutet werden, oder man markiert sich diese mit Zahlen. Beispielsweise 0 – 5. Somit entstehen bereits 6. Grautöne.

Licht und Schatten

Schattierung ist das Rezept um in jeder Zeichnung die gewünschte Tiefe zu erzeugen und sei es auch nur das Bild eines Apfels…

Noch als Letztes

Üben, üben, üben, und das ist auch gleich das schöne am Zeichnen. Es kann draussen Hudeln, der Himmel ist schon seit Tagen/Wochen mit Wolken überzogen, trotzdem können wir uns der Zeichnungen widmen, sei es um alte Zeichnungen neu zu bearbeiten oder an Skizzen zu arbeiten, oder einfach sich in der Technik zu üben. Zeichnen Sie z.B. aus Büchern Krater, Deepsky-Objekte u.s.w. ab. Diese Trockenübungen sind sehr nützlich für die Praxis.

Hier noch eine meiner DeepSky Zeichnungen aus dem Jahr 2007 von Cirrusnebel.

 

 

 

Ich wünsche Euch allen, derer Interesse geweckt wurde, spitze Bleistifte und viel Erfolg.

CS Jozef


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12 Gedanken zu “Zeichnen am Teleskop

  • Rudolf SANDA

    Ich danke für die Erklärung und Dokumentation für das Zeichnen am Teleskop.
    Neben der Sonne (Mit P.S.T. & Mak 127/1500) , zeichne ich ganz selten den Mond (Mit Mak 127/1500) – Ansicht der Krater…..
    Bisher habe ich immer wieder bei den Kratern und deren Schattenwurf Probleme.
    Aber anhand der guten Anleitungen mit Abbildungen dürfte es demnächst um einiges besser werden.

    MfG
    Rudolf SANDA
    NÖ Volkssternwarte
    Information & Publikation

    • Jozef

      Hallo Rudolf.
      Vielen Dank für die nette Rückmeldung zu meiner „Zeichnen am Teleskop“ Anleitung. Das freut mich sehr diese Zeilen zu lesen, denn es ist bis lang noch keine Rückmeldung eingegangen und so weiss ich, dass es jemanden gibt den ich behilflich sein konnte und der es auch schätzen weiss. Ich wünsche viel Erfolg und stets spitzen Bleistift.
      Schöne Grüsse aus der Schweiz. Jozef

      • Rudolf SANDA

        Hallo Josef.

        >……denn es ist bis lang noch keine Rückmeldung eingegangen und so weiss ich, dass es jemanden gibt den ich behilflich sein konnte und der es auch schätzen weiss. Ich wünsche viel Erfolg und stets spitzen Bleistift.

        Das Zeichnen (Sonne, Mond bisher ja nur eingeschränkt) habe ich als Entspannung im (Berufs)Alltag bei mir schon seit 3 Jahren in Verwendung.
        Ich werde mir erlauben in der nächsten Ausgabe unserer Vereinszeitung den Link zu veröffentlichen, da doch einige Mitglieder auch mit dem Zeichenstift aktiv sind (und nicht nur mit Astrofotografie). Vielleicht kann auch hier sich der eine oder andere Inputs holen und seine Kreativität verbessern.

        Schöne Grüsse aus Wien bzw. Nederösterreich
        Rudolf

        • Jozef

          Hallo Rudolf.
          Das ist fein, dass Du den Link in Eurer Vereinszeitung veröffentlichst. So werden hoffentlich wie Du schreibst, die Kollegen Motivation zum Zeichnen finden. Ich stellte für mich fest, dass man durch das Zeichnen erst richtig beobachten lernt!, da man lange am selbigen Objekt verweilt.

          Schöne Grüsse aus der Schweiz, Jozef.

          • Rudolf SANDA

            Hallo Jozef.

            Ich habe nun statt dem Link zu veröffentlichen, mich dazu entschlossen einen kleine Artikel anhand deiner Anleitung zu verfassen. Folgende Abbildungen würde ich gerne dazu verwenden:
            Tonabstufungen
            Licht und Schatten und
            Die endgültige Zeichnung wurde dann am Schreibtisch erstellt
            Hierzu würde ich dein OK für die Veröffentlichung gerne erhalten. Als kleines „DANKE SCHÖN“ würde ich dir ein PDF-Exemplar dieser Ausgabe zukommen lassen (Benötige dann deine EMail-Adresse). Mit Mitte/ Ende September würde dann die Ausgabe fertig zum Mail-Versand sein. Ich danke dir vorab im voraus.

            Schöne Grüsse aus Wien bzw. Nederösterreich
            Rudolf

  • Ralph Staiger

    Hallo Jozef,

    meine spontane Reaktion: Ich finde es traumhaft und beneidenswert, was Du zustande bringst. Danke für die Inspirationen, Ideen ohne Ende!

    CS
    Ralph

  • Karl Heinz van Heek

    Hallo Jozef,
    ja das Zeichnen am Teleskop, eine tolle Arbeit! Ich denke für mich eines der schönsten Beschäftigungen überhaupt und erlaube mir dies mit meinem Ölbild vom Mond belegt zu haben….
    Nicht desto Trotz sollte jeder mal einen Stift in die Hand nehmen ;-))
    CS
    Kalle

    • Jozef

      Hallo Kalle.
      Dein Ölbild ist aber eine andere Liga lieber Freund…. da ist zeichnen wie Dreirad fahren dagegen!

      „Nicht desto Trotz sollte jeder mal einen Stift in die Hand nehmen ;-))“ ganz genau, und das nur aus einem
      Grund. Man lernt beobachten!

      Schöne Grüsse Jozef

  • Jozef Cukas Autor des Beitrags

    Lieber Thomas,
    ich bedanke mich für Deinen weiteren sehr tief gehenden Text zu meinem Tun….. der mich erneut sehr freut und bewegt.

    Aber was hat das zu Bedeuten dieses „Astro-Nerd“ ?

    Schöne Grüsse Jozef.

    • Thomas Schiffer

      Hallo Jozef
      ich sehe diesen Begriff „Nerd“ im positiven Sinne. Menschen mit besonderen Begabungen,
      Enthusiasten, Individualisten! Archimedes hätte man in der heutigen Zeit auch so bezeichnet 🙂
      Beste Grüße, Thomas

  • Thomas Schiffer

    Hallo Jozef,
    du bewegst hier eine große Klaviatur von der Beobachtung über die Astrofotografie, Fachinformationen zum Seeing, Erstellen von Animationen und nun noch Zeichnungen am Teleskop!!
    Ich glaube die neuzeitliche Bezeichnung dafür ist, du bist ein „Astro-Nerd“ 🙂
    und baust uns hier ein Wikipedia für Amateurastronomen auf.
    Ich kann nur sagen: Chapeau! Und komme mit dem lesen und staunen kaum noch nach.

    Ich freue mich für unsere Gruppe, den Gästen und allen die sich der Freude des Teilens von
    Wissen und Erkenntnissen hingeben können.

    VIELEN DANK JOZEF und an alle die hier Feedback geben.
    CS und das du nicht müde wirst, Thomas